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Herzklappenerkrankungen heute

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Häufigkeit von Herzklappenerkrankungen

Rund 200 000 Menschen in Deutschland leben mit einer neuen Herzklappe.

Mehr als 16 000 Menschen wurden 2003 in Deutschland an ihrer Herzklappe operiert.

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Aufbau des Herzens

Die folgenden Bilder zeigen den inneren Aufbau des Herzens sowie der Miralklappe.

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Wie bekommt man einen Herzklappenfehler?

Herzklappenfehler können anageboren oder erworben sein. Ursachen für erworbene Herzklappenfehler sind vielfältig, z.B.:

  • altersbedingte Abnutzung
  • rheumatisches Fieber
  • infektiöse Endokarditis
  • Herzkrankheiten (z.B. Herzinfarkt, Hochdruckherz)

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Welche Herzklappenfehler gibt es?

  • Schlussunfähigkeit (Insuffizienz)
  • Verengung (Stenose)
  • Kombination von Einengung und Schlussunfähigkeit
  • Häufigste Fehler:
    • Aortenklappenstenose
    • Mitralklappeninsuffizienz
  • Defekte an den Klappen des rechten Herzens (Pulmonal- und Trikuspidalklappe) sind selten.

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Folgen einer Herzklappenerkrankung

  • Herzhypertrophie
  • Herzinsuffizienz

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Beschwerden durch Herzklappenfehler

Welche Beschwerden macht ein Herzklappenfehler?

  • geringe körperliche Leistungsfähigkeit
  • Kurzatmigkeit
  • Luftnot
  • Brustenge
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schwindel bis hin zu Bewusstlosigkeit
  • Schwellungen der Beine bis zum Bauchraum (Oedeme)

Wann treten Beschwerden auf?

Bei der Mitralklappenstenose treten Beschwerden relativ frühzeitig auf: Häufig Vorhofflimmern, das zu erheblichen Beschwerden wie Atemnot unter Belastung führt

Bei der Aortenklappenstenose treten Beschwerden erst spät auf: Oft passen sich Patienten ihrem Herzfehler an, reduzieren ihre körperliche Aktivität nach und nach und empfinden sich deshalb als beschwerdefrei.

Körperliche Leistungsfähigkeit kritisch im Auge behalten!

Wenn die Leistungsfähigkeit abnimmt, sollte man es nicht auf das Alter oder die Bronchien schieben, sondern den Arzt aufsuchen, um die Ursache der Leistungsminderung zu finden.

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Wie stellt der Arzt die Diagnose?

  • Befragung des Patienten
  • körperliche Untersuchung
  • technische Untersuchungen:
    • Elektrokardiogramm (EKG)
    • Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie)
    • Herzkatheteruntersuchung

Mit der Echokardiographie kann man die Art und Schwere des Klappenfehlers feststellen. In der linken Hälfte des Bildes (A) ist eine Dopplerdruckkurve zu sehen. Je höher die über einer Klappe gemessene Geschwindigkeit (gelber Pfeil) ist, desto größer ist der Druckunterschied zwischen den Herzhöhlen vor und nach der Klappe und somit entsprechend höhergradig die Stenose. Im rechten Teil (B) sieht man die verkalkte Klappe im Ultraschallbild.

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Wie entwickeln sich Herzklappenfehler?

  • in der Regel langsam fortschreitend
  • manchmal über Jahre stabil
  • plötzlich dramatische Verschlechterung z.B. bei Aortenstenose oder Mitralinsuffizienz (Sehnenfadenabriss)
  • Deshalb:
    • jährliche Kontrolle
    • wenn Beschwerden neu oder heftiger auftreten, sofort zum Arzt

Der Pfeil weist auf den Sehnenfadenabriss hin, der zu einer hochgradigen Undichtigkeit der Mitralklappe führt.

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Behandlung von Herzklappenfehlern

Helfen Medikamente?

Medikamente bessern die Beschwerden, können aber den Klappenfehler nicht beseitigen. Das kann nur ein Eingriff an der Herzklappe.

Ausnahme: Aortenklappenstenose

Wahrscheinlich kann eine Senkung der Blutfette die Zunahme einer Aortenklappenstenose bremsen:

  • Umstellung der Ernährung auf Mittelmeerkost
  • Medikamente (u.a. Statine), die Cholesterin, vor allem LDL senken

Beseitigung eines Herzklappenfehlers ist nur durch einen Eingriff möglich

  • Wiederherstellung der erkrankten Klappe (Mitralklappeninsuffizienz): Nach dem Eingriff ist eine Gerinnungshemmung auf Dauer nicht notwendig
  • Herzklappenersatz
    • mechanische Herzklappe
    • biologische Herzklappe

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Herzklappenersatz

Welche Herzklappe ?

  • mechanische Herzklappe
    • Vorteil: unbegrenzte Haltbarkeit
    • Nachteil: lebenslange Gerinnungshemmung notwendig
  • biologische Herzklappe
    • Homograft (menschliche Herzklappen aus Spenderherzen)
    • Bioprothesen aus Schweineklappen oder Rinderherzbeuteln
    • Vorteil: auf Dauer keine Gerinnungshemmung nötig
    • Nachteil: begrenzte Haltbarkeit je jünger der Patient, desto schneller die Degeneration der Klappe

Was ist besser?

  • mechanische Herzklappe bis 65 Jahre
    • Ausnahme: Schwangerschaft; Patienten, die keine Gerinnungshemmung vertragen
  • biologische Herzklappe
    • Aortenklappe ab 60 Jahre
    • Mitralklappe ab 65 Jahre
    • Blutungsrisiko wird vermieden, eine erneute Herzoperation ist unwahrscheinlich

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Herzklappenoperation

Kleiner oder großer Schnitt?

  • herkömmliche Herzklappenoperationen:
    • Operationen bei ganz geöffnetem Brustkorb
    • 16800 Operationen in 2003
  • minimal-invasive Herzklappenoperationen
    • 707 Operationen in 2003
    • Vorteil: kleiner Schnitt, schnellere Erholung
    • Aber: nicht immer durchführbar, gute Ergebnisse nur in wenigen spezialisierten Zentren

Wann operieren ?

Heute wählt man den Zeitpunkt so, dass eine dauerhafte Schädigung des Herzens vermieden werden kann.

Gibt es eine Altersgrenze ?

  • Das Operationsrisiko ist im Alter erhöht.
  • Aber: entscheidend ist die körperliche und geistige Vitalität
  • und die Entscheidung des Patienten

Neue Entwicklungen

Ersatz der Aortenklappe durch einen katheterinterventionellen Eingriff im Herzkatheterlabor. Diese Behandlungsmethode ist noch in Entwicklungsphase und ist derzeit nur bei wenigen ausgewählten Patienten anwendbar.

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Nach der Operation

Erholungsphase

  • deutlich langsamere Erholung als nach dem Bypass
  • anfangs nur gering belastbar

Je stärker vor einer Operation die körperliche Belastbarkeit eingeschränkt war, desto langsamer erholt sich der Patient nach der Operation.

Operationserfolg

Das Langzeitergebnis hängt davon ab, ob rechtzeitig operiert wurde.

Rückbilden können sich:

  • Verdickung der Herzwand (Linksherzhypertrophie)
  • leichte Vergrößerung der linken Herzkammer

Ab gewissem Grad nicht mehr rückbildungsfähig:

  • ausgeprägte Vergrößerung der linken Herzkammer
  • verminderte Leistungsfähigkeit des Herzens

Kontrolluntersuchungen

Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind notwendig:

  • unmittelbar nach dem Eingriff,
  • nach 3 Monaten,
  • nach 6 Monaten,
  • nach 1 Jahr
  • dann jährlich

Im Labor sollte auch LDH (Laktatdehydrogenase) bestimmt werden, weil eine starke Erhöhung auf ein Klappenleck hinweisen kann.

Endokarditis-Prophylaxe

Jeder Patient nach einer Herzklappenoperation braucht bei bakteriellen Infekten und operativen Eingriffen eine Endokarditis-Prophylaxe.

Der Patient sollte die Empfehlungen immer bei sich tragen und bei Arztbesuchen, vor allem beim Zahnarzt, Hals-, Nasen- und Ohrenarzt und Urologen dem Arzt vorlegen.

Gerinnungshemmung

Patienten mit mechanischen Herzklappen brauchen unabdingbar eine Gerinnungshemmung.

Empfohlene Intesnsität der Gerinnunghemmung bei INR
Mechanischen Herzklappen-Prothesen der
1. Generation (z.B. Starr-Edwards, Björk-Shiley Standard)
3,0-4,0
2. Generation (z.B. St. Jude, Medtronic)
in Aortenposition
2,5-3,0
in Mitralposition 3,0-3,5
Bioprothesen keine Gerinnungshemmung nach drei Monaten

Der INR-Wert von 1 bedeutet keine Gerinnungshemmung, der INR-Wert von 2, dass die Gerinnungszeit um das Zweifache verlängert ist, der INR-Wert von 3 um das Dreifache.

Bei Gerinnungshemmung ist zu achten auf:

  • Wechselwirkung mit anderen Medikamenten (Beipackzettel genau lesen!)
  • keine intramuskulären Spritzen, auch bei der Grippeimpfung soll die Spritze nur unter die Haut gegeben werden

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Leben mit einer künstlichen Herzklappe

Wie soll man leben?

  • nicht rauchen
  • abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung wie z.B. Mittelmeerkost: mit viel Obst, Gemüse und Salat, Hülsenfrüchten, Fisch statt Fleisch, Olivenöl
  • Ausnahme: keine großen Mengen von Sauerkraut (hoher Vitamin K-Gehalt)
  • kein Übergewicht
  • regelmäßige Bewegung erhöht Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden

Bewegung und Sport

Die körperliche Aktivität richtet sich nach der Belastbarkeit, die vom Arzt individuell festgelegt wird. Meist unterfordern sich die Patienten nach der Klappenoperation. Empfehlenswert ist Ausdauersport:

  • Laufen
  • Joggen
  • Radfahren
  • Wandern
  • Schwimmen

Problematisch sind hingegen:

  • Sportarten mit hohem Risiko zu stürzen oder sich zu verletzen (z.B. Skiabfahrtslauf)
  • Wettkampfsport, der dazu verleitet, an die Grenzen der persönlichen Leistungsfähigkeit zu gehen (z.B. Tennis)

Reisen

Zwei Wochen nach der Operation können Sie bei guter Pumpfunktion grundsätzlich in alle Länder reisen. Aber in Entwicklungsländern bestehen erhöhte Gefahren, z.B.:

  • wegen Durchfallerkrankungen, die die Gerinnungshemmung entgleisen lassen
  • in vielen Krankenhäusern fehlen elementare Voraussetzungen für eine medizinische Behandlung

Was gehört ins Reisegepäck:

  • letzter Arztbericht
  • Liste aller regelmäßig einzunehmenden Medikamente und Angabe der Wirkstoffe und Dosis (Handelsnamen sind im Ausland nicht bekannt)
  • Marcumar oder Warfarin ausreichend mitnehmen, weil in vielen Ländern nicht erhältlich
  • Antibiotikum, um z.B. bei Halsentzündung oder Bronchitis eine Endokarditis zu verhindern
  • Desinfektionsmittel für kleine Verletzungen
  • Fieberthermometer

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